Liebe Vereinsfamilie,
Ostern ist nun schon etwas her und bald feiern wir Pfingsten. Dennoch möchte ich gerne einen Blick zurück auf die Fastenzeit werfen. Im letzten Einblick hatte ich darüber berichtet, wie ich und mein Mann vergangene Fastenzeiten verbracht haben. Ich wusste da noch nicht, worauf wir in diesem Jahr verzichten würden. Wer ab und an die homepage des CVJM Mettmann (www.cvjm-mettmann.de) besucht, konnte hier nachlesen, wofür wir uns entschieden hatten.

Zum einen verzichteten wir „einfach" auf Fleisch. Dies war kein besonders origineller Einfall, aber im Nachhinein umso gewinnbringender. Ich wälzte meine Kochbücher unter einem ganz anderem Gesichtspunkt und der Gang in den Supermarkt oder auf den Wochenmarkt bekam einen anderen Charakter. Es ging nicht mehr zielstrebig zur Wursttheke oder dem Fleischereistand, vielmehr verbrachte ich nun die Zeit erst einmal vor dem Käseregal und dem vegetarischen Brotaufstrichen, die ausführlich studiert wurden (nicht alles, was vegetarisch aussieht, beinhaltet wirklich kein Fleisch). Nachdem ich mich in die - für mich teilweise völlig neue - Materie eingearbeitet hatte, empfand ich den Einkauf auch als eine Art „Befreiung", um Fleisch und Wurst konnte ich ja schnell einen Bogen machen und musste mich nicht mit den Produkten auseinandersetzen – und die nehmen einen großen Raum im Supermarkt ein. Auch bei der täglichen Werbeflut im Briefkasten, war plötzlich vieles uninteressant. Weiterhin kam hinzu, dass sich Käse und Co. besser aufheben lassen als z.B. Frischwurst. Daher musste ich nicht ständig für neuen Nachschub zu Hause sorgen. Schnell zeigte sich auch, dass Gemüsepfannen genauso gut ohne Speck und Hack schmecken. Robin, unserem drei Jahre altem Sohn, kam die gesamte Aktion entgegen. Fleisch ist nicht so seine Sache. Außerdem bereicherte nun häufig Fisch unseren Speiseplan.

Im Ganzen habe ich aus dem Fleischverzicht mitgenommen, dass weniger oft mehr bedeutet. Verzicht muss nicht immer sofort Einschränkung heißen. Man lernt Neues kennen. Auf der anderen Seite erleichtert einem ein kleineres Angebot oft das Leben und macht den Blick frei für das Wesentliche. Im Glauben geht es mir auch oft so, dass ich das Wesentliche vor lauter Plätzchenbacken, Weihnachtsbaumschmücken, Eierauspusten und Hausdekorieren aus den Augen verliere.

Neben dem Verzicht auf etwas, wollten wir aber auch etwas tun, wofür wir uns sonst wenig Zeit nehmen. Daher hatten wir uns dazu entschlossen, Fastenpost zu versenden. Jeden Tag in der Fastenzeit schickten wir eine Postkarte an Freunde oder Verwandte. Zu Beginn war ich nicht sicher, ob meine Bekannten denn für all die Postkarten, die ich in unseren Flur plaziert hatte, „ausreichen" würden. Aber seltsamerweise fiel mir jeden Tag immer wieder jemand ein, den man mit einer Karte „beglücken" konnte, sogar alte Bekanntschaften aus Ausbildung und Schulzeit kamen da einem in den Sinn. Daher fiel es nicht ganz so sehr ins Gewicht, dass mein schreibfauler Mann es noch nicht einmal schaffte, 10% der Post zu „übernehmen".

Schön war, dass man von vielen ein Dankeschön bekam. Einige schrieben sogar zurück.

Wir haben uns vorgenommen, wenigstens ein bisschen aus der Fastenzeit mit in die Zeit nach Ostern zu nehmen. Mal sehen, wie sehr uns das gelingt ... Die nächste Fastenzeit kommt ja auf jeden Fall wieder.

Ihre/eure Sylvia Gill