... nun ist es wieder so weit, manche von uns fasten. Ein Teil tut dies freilich um die letzten überschüssigen Pfunde aus der Weihnachtszeit los zu werden, andere brauchen nach den tollen Tagen mal wieder einen klaren Kopf. Der eine oder andere verzichtet aber nicht auf bestimmte Lebensmittel, sondern verzichtet auf andere Genüsse. Mein Mann und ich haben die letzten zwei Jahre so z.B. „Fernseh gefastet".

Dies bedeutete bei uns, dass wir unter der Woche den schwarzen Kasten aus ließen und uns mit anderen Dingen beschäftigten. Das war gar nicht so einfach, schließlich lief abends die eine oder andere Serie, die wir uns sonst - mit Chips und Popkorn versorgt - ansahen. Auf der anderen Seite ergab sich aber auch eine ungemeine Freiheit. Man musste nicht mehr Punkt viertel nach acht mit Kind ins Bett bringen, Küche saubermachen und dergleichen fertig sein. Der Spieleschrank wurde mal wieder durchstöbert und so manches Buch gelesen oder wir saßen einfach nur zusammen und unterhielten uns entspannt.

Nun muss ich zugeben, dass das „Fernseh-fasten" dieses Jahr für uns nicht in Frage kommt. Eigentlich schauen wir seit der Geburt der Zwillinge eh so gut wie kein TV mehr. Die Küche sieht immer unaufgeräumt aus, die Kinder schaffen wir zwar bis 20.15 Uhr ins Bett zu bringen, aber bis wir noch die Wäsche aufgehängt, die Spülmaschine ausgeräumt und den Frühstückstisch für den nächsten Tag gedeckt haben, ist es oft schon nach neun. Dann sind wir beide froh ohne „Anhang" auf dem Sofa zu sitzen und einfach einmal nichts zu tun. So gesehen würden wir uns selbst etwas vormachen, wenn wir von „Fernseh-fasten" sprechen würden, denn schließlich verstehe ich Fasten als den Verzicht auf etwas, was man ansonsten in irgendeiner Form regelmäßig konsumiert. Und es sollte einem ja auch in irgendeiner Weise schwerfallen darauf eine Weile zu verzichten.

Wir sollen uns erinnern an die vierzig Tage, die Jesus betend und fastend in der Wüste verbrachte. Wir sollen uns mit uns und unserem Glauben auseinandersetzten. Wir sollen uns klar werden darüber, was uns im Leben wichtig ist. Wir sollen die Dinge wieder ins richtige Lot bringen. Wenigstens verstehe ich das unter Fasten und stelle an mich und mein Fasten diesen Anspruch.

Letztendlich haben wir uns dazu entschlossen, Fleisch zu fasten. Das ist natürlich keine „orginelle" Idee, allerdings glaube ich, dass dies nicht so einfach werden wird. Auf jeden Fall stellt es ganz neue Herausforderungen an meine Kochkünste. Meine Kochbücher und -hefte werde ich jetzt erst mal in aller Ruhe nach vegetarischen Gerichten durchforsten. Robin, unseren 3-jährigen Sohn, wird's freuen, denn die ein oder andere Süßspeise wird öfters auf dem Tisch stehen. Wir wollen neben dem Verzicht aber auch dieses Jahr wieder etwas für unsere Beziehung(en) tun. Daher haben wir uns entschlossen „Fastenpost" zu versenden: Jeden Tag eine Postkarte an einen Freund, einen Bekannten oder Verwandten. Mal sehen, welche Beziehungen man so mal wieder auffrischt.

Liebe Grüße Sylvia Gill